Zwischen Reben, Chaos und Feierabendwein: Der tägliche Wahnsinn im Weinberg

  • Winzerdank

    Hier berichtete ich schon einmal über den Ziehmax.  Wurde auch Winzerdank genannt. Eine gewaltige Innovation vor einem halben Jahrhundert, die das mühsame Arbeiten mit der Hacke im Weinberg ersparte. Daher auch der Name Winzerdank: Danke für diese technische Revolution.

    Heute noch im Einsatz in Weinbergen die nicht durch Wege erschlossen sind. Der Winzerdank wird  an den Ort des Geschehens getragen und verankert.

  • Rasend schnell

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    Rasend schnell entwickelt sich die Natur bei den vorherrschenden warmen Temperaturen. Die Reben stehen kurz vor dem Austrieb. Die Knospen sind alle schon angeschwollen und im Wollestadium. Der Austrieb dürfte nächste Woche erfolgen. An Wärmeinseln, z.B. an Weinbergsmauern sind die ersten Blättchen bereits erkennbar.

    Im langjährigen Mittel (1967 – 2000) ist der Austrieb am 30. April. Sehr gut! Etliche Tage Vegetationsvorsprung und das Weinjahr 2011 legt einen Bilderbuchstart hin.

  • VitiMeteo

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    Weiterbildung war angesagt. Als Vorsitzender von ECOVIN Mosel-Saar-Ahr e.v. hatte ich zu einem Vortrag mit Herrn Dr. Zipse von der Agrarberatung geladen.

    Seit etlichen Jahren versucht man die aktuellen Wetterbedingungen mit der Wettervorhersage, die Wachstumbedingungen der Rebe und den Vermehrungsrythmus unserer Pilzerreger (echter und falscher Mehltau)  mit komplizierten Computerberechnungen zu verbinden. Herausgekommen ist VitiMeteo Peronospora (falscher Mehltau) und Oidium (echter Mehltau). Durch ein enges Netz von Wetterstationen an der Mosel können wir nun auch an diesem Warnsystem teilnehmen.

    Neben grundsätzlichen Erläuterungen zu diesen Pilzkrankheiten erklärte Herr Dr. Zispe VitiMeteo. Anhand verschiedener Grafiken mit diversen Kurvenverläufen (im obiger Grafik alleine 11 unterschiedliche Parameter)  erklärte er an einzelnen Parameter wie Temperatur, Regenereignisse, Dunkelheit, Blattfeuchte, Sporangiendichte, Rebwachstum usw. wie dieses Prognosemodell funktioniert und wie und wann wir Ökowinzer unsere Gegenmaßnahmen ergreifen können. Wobei uns die Computertechnik nur grobe Details anhand gibt. Das Feintuning muß immer noch der Mensch  übernehmen, der aus Erfahrung und Risikobereitschaft den tatsächlichen Einsatzpunkt unserer ökologischen Pfanzenpflegemittel bestimmt.

  • Ferrari-Rot

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    Endlich da, die neue Raupe in Ferrari-Rot.  Neuer, teurer, stärker und vor allem frauenfreundlich durch die Servounterstützung beim Lenken. Ich berichtete hier schon darüber. Stylistisch die Motorraumabdeckung, darunter größtenteils bekannte Technik, die ich im Fall eines Falles selbst reparieren kann. Das neue Hydrauliksysthem scheint erste Sahne zu sein. Auf das neue Kettenlaufwerk und die Federung des Fahrerstandes bin ich besonders gespannt.

    Die alten Anbaugeräte müssen noch an die Raupe angepasst werden. Das mitgelieferte Dreipunkt Hebewerk bereitet mir noch etwas Kopfzerbrechen.  Ich werde sicherlich noch einige Stunden in unserer Werkstatt mit flexen, schweißen, bohren und schrauben verbringen müssen bis alles wunschgemäß passt.

    Der erste Einsatz ist für morgen geplant. Wäre das Gerät noch nicht bezahlt, könnte die Finanzierung über ein Geschäftsmodell erfolgen, über das ich hier schon einmal berichtet hatte.

  • Muß das sein?

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    Die erste Plastikweinflasche ist mir über den Weg gelaufen. Ich berichtete hier schon vor einiger Zeit über dieses Behältniss. Es ist zwar nicht der Untergang der Weinkultur, für die Qualität des Weines auf jeden Fall abträglich.

    Die hohe Gasdurchlässigkeit ist ein Problem. Sauerstoff rein, dazu noch die Düfte aus der Lagerumgebung der Flasche, Weinaromen können zusätzlich durch den Werkstoff abgebunden werden. Über Weichmacher und sonstige Chemikalien können sie sich hier und hier sachkundig machen. Die Ökobilanz wird immer schön geredet, genaue Zahlen gibt es fast nicht in der Öffentlichkeit.

    In der gestrigen Ausgabe des deutschen Weinmagazin fand sich passenderweise ein Fachartikel zum Thema CO2 Bilanzierung von Weingütern aus dem ich kurz zitieren möchte: „…CO2 Ausstoß bei der Produktion einer 400 gr schweren Weinflasche… mit etwa 200 gr. Bei der PET-Flasche lieger der Ausstoß etwa doppelt so hoch… “

    Der Einfachheit halber können sie weitere Informationen über den CO2 Ausstoß hier oder hier nachlesen.

    Obige Flasche brachte mein Freund Michael, Oberkellermeister, mit.  Eine Sonderfüllung für die Lufthansa. Dort hat dieses Plastikbehältniss aus Gewichtsgründen seine Berechtigung. Der Wein, frisch gefüllt, hat geschmeckt. Aber wie schmeckt der Wein in einigen Tagen, Wochen, Monaten?

  • Winter ade

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    Frühlingshafte Temperaturen und ein dauerhaftes Hoch. Ideales Frühlingswetter! Durch die warmen Temperaturen der letzten Tage fangen die Reben an zu bluten. Die Rebwurzeln drücken Wasser und Nährstoffe in die Leitbahnen, welches an der Schnittstelle austropft bis die Leitbahnen verstopft sind. Nur noch kurze Zeit und die Landschaft wird wieder ergrünen.

  • Newsletter No. 2: Peinlichkeiten, Hintergründe und eine sehr gute Nachricht

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    Unser erster Newsletter fand gute Resonanz. Sehr positive Reaktionen kamen per Mail, bei meinen Bemerkungen zum Riesenschwanzvergleich fühlten sich einige andere auf den Schlips getreten. Die Diskussionen über Blogranking finde ich lächerlich und nichts sagent, wie auch Theo Huesmann hier beschreibt. Es sind, wie ich schon im letzten Newsletter berichtete, kleine Jungenspiele. Eine am Tag später geführte Diskussion auf facebook und anderen Blogs zu diesem Thema habe ich nur als peinlich empfunden.

    Ebenso wie es dem Besitzer obigen Traktors  peinlich war, den Traktor in den Steilhang zu werfen. Am Wegrand geparkt, einige Zeit im Weinberg gearbeitet, die Handbremse löste sich, der Traktor rollte den abschüssigen Wirtschaftsweg hinab und landete in Nachbars Weinberg. Passend zur Mittagszeit an der Reiler Brücke und binnen kürzer Zeit war diese Neuigkeit Peinlichkeit im Dorf verbreitet. Personenschäden waren nicht zu verzeichnen, zwei Reben haben es nicht überlebt, der Seitenspiegel nebst Seitenscheibe am Traktor kaputt, einige Stickel krumm und Kratzer am Lack. Die Rechnung der Bergung war sicherlich das teuerste an dieser Aktion.

    Das demokratische Weinbuch von Rainer Balcerowiak macht Furore. Nachdem ich im November eine Rezension geschrieben hatte, berichtete auch der Stern und andere Medien über dieses lesenswerte Buch. Umso erfreulicher war es nun für mich, das der Autor mittlerweile eine Weinkolumne im Internet hat in der er wöchentlich publiziert. Wenn sie sich über den kulinarischen Notfallkoffer, Verkosters Nightmare oder Aromajunkies informieren möchten, sollten Sie hier klicken!

    Die Winterarbeiten im Weinberg sind mittlerweile fast abgeschlossen. Dank zweier zusätzlicher Aushilfen konnte der winterbedingte Rückstand aufgeholt werden. Der Frühling, von dem ich vor einigen Wochen noch träumte, hält so langsam Einmarsch.

    Leider ist unsere Ausbildungsstelle zum Winzer immer noch nicht besetzt. Hat denn keiner Lust, dass klassische Handwerk des Winzers zu erlernen? Fast immer an der frischen Luft, abwechslungsreiche Arbeit in einer schönen Kulturlandschaft, soziale Einbindung in die Winzerfamilie und intensive Betreuung während der Lehrzeit! Was können wir mehr bieten? Bewerbungen nehmen wir weiterhin entgegen.

    Nun die sehr gute Nachricht: Unsere 2010er Weine sind alle abgefüllt. Es hat dieses Jahr etwas länger gedauert, die Weine hatten eine längere Reifezeit im Faß gebraucht. Fast wie in jedem Jahr: Frisch und fruchtig mit der typischen Eleganz des Moselrieslings. Nicht die Opulenz der herausragenden 2009er Rieslings, etwas zartgliedriger und feiner, aber wie immer in der Tradition und im Weinstil unseres Weingutes.

    Leider gibt es auch einen Wermutstropfen:
    Die Weinmengen sind äusserst begrenzt. Kühles Blütewetter verhinderte letztes Jahr eine optimale Befruchtung der Blüte. Nachfolgende Trockenheit im Juli und beginnende Traubenfäulniss vor der Ernte verringerten zusätzlich unsere Erntemengen. Mit einer 60 % Ernte ist der 2010er Jahrgang einer der kleinsten Jahrgänge der letzten Jahrzehnte.

    Wir gehen davon aus, das wir den 2010er nur begrenzt liefern können und etliche Weine schnell ausgetrunken sind. Eine rechtzeitige Bestellung ist anzuraten. Bestellen können Sie ab sofort hier und hier. Alternativ haben wir noch kleinere Bestände an 2009er und 2008er Weinen.

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  • Weinrallye 43: Riesling-Spätlese

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    Die Königsklasse, wie Ralf Kaiser meint. Von ihm stammt der Aufruf zur jetzigen Weinrallye mit dem Thema Riesling Spätlese. Na ja, was soll ich denn nun schreiben probieren? Der Weinkühlschrank ist gefüllt mit Spätlesen von Kollegen, eigene habe ich zudem auch noch.

    Probieren mag ich im Moment nicht. Eher erzählen, was ich unter einer Spätlese verstehe. Natürlich ist  alles genau reglementiert. Das Prädikat Spätlese ist abhängig vom Mostgewicht. Nur darauf achtet der Gesetzgeber. Es sind Mindestanforderungen an die Analytik. Vor der Klimaerwärmung, also vor etlichen Jahren, wurden diese Mindestanforderungen fast jedes Jahr neu angepasst. Im Weingesetz steht aber auch –  kontrolliert aber keiner – spätgelesene, vollreife Trauben! Das ist etwas ganz anderes wie die zur Zeit geforderten Mindestmostgewichte! Diese Mindestmostgewichte erreicht in der Regel schon unser Riesling in der Literpulle.

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    Das Ziel im Weinberg ist es, das Händchen Aroma, dass der liebe Gott über die Weinberge verstreut hat, in den Trauben aufzufangen. Neben einer guten Lage, am besten auf Gesteinsböden wie dem Moselschiefer,  ist ein entsprechend niedriger Ertrag erforderlich und kleinbeerige Trauben, die aromatischer sind. Dann etwas Stress für die Reben. Erst dann liefert der Riesling beste Qualitäten.

    Ganz wichtig ist eine lange Reifezeit, wenn das Wetter mitspielt,  damit die letzten Sonnenstrahlen noch in Geschmack umgewandelt werden. Heißt ja nicht umsonst Spätlese!

    Begleitet wird die Spätleseproduktion durch die Arbeit des Winzers bei der Ernte. Sortieren oder Selektieren ist ein ganz wichtiger Baustein. Stielkranke, faule Trauben müssen aussortiert werden. Entweder werfen wir die auf den Boden oder nehmen die weniger geschädigten bzw. frischfaulen Trauben für die Basisweinproduktion.

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    Die verbliebenen Trauben können dann weiter reifen und vollreif oder physiologisch reif geerntet werden.  Im Idealfall wird die Beerenhaut porös, Wasser verdunstet und er Rest konzentriert sich. Das sieht man der Traube übrigens an. Der Riesling wird goldgelb mit einer dünnen Traubenschale. Wenn man drauf beißt, läuft der Saft direkt aus der Beere, das Fruchtmark löst sich leicht vom Kern und dieser ist komplett braun verfärbt. Wenn das Ganze dann noch hocharomatisch schmeckt, ist das Ziel erreicht. Eine Spitzentraube für eine Riesling Spätlese. Dann braucht man keine Mostwaage oder andere Analysen, sehen, riechen und schmecken reicht aus. Nun noch schonend in kleinen Erntekisten zur Weinpresse bringen und dann darf der Kellermeister ran. Dessen Aufgabe beschränkt sie darauf, die 100% Geschmack, die in der Traube sind, nach Möglichkeit verlustfrei in die Weinflasche zu bekommen.

    Den Wein aus obiger Spätlesetraube gibt es übrigens hier zu kaufen.

  • Felssicherung

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    Man vergisst es immer wieder, dass die Mosel zwischen Hunsrück und Eifel liegt und das ganze ein Mittelgebirge ist. In einem Gebirge gibt es Berge und Felsen die auch mal abrutschen können. Einige Felsen bei Reil sind sehr morbide. Vor etlichen Jahren mußte sogar ein Fels mit Sprengstoff zu Fall gebracht werden.

    Bei zwei weiteren Felsnasen haben Industriekletterer im Auftrag der Bahn, die die Verkehrssicherungspflicht hat,  den Bewuchs zu entfernt und lose Felsbrocken gezielt zum Absturz gebracht. Nun werden Löcher gebohrt, damit Felsanker gesetzt werden können an denen später Drahtnetze befestigt werden. So soll verhindert werden, das Felsbrocken auf die darunter liegenden Gleise der Moselweinbahn fallen und Menschen gefährden.

  • Weinsteril

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    Noch zwei Abfülltage und der 2010er ist in der Flasche. Abfüllen heißt früh aufstehen. Die Füllanlage und der Sterilfilter, der evtl. noch vorhandene Hefen und Bakterien zurück halten soll, müssen mit Heißdampf sterilisiert werden. Der nicht dämpfbare Korkverschliesser wird mit reinem Alkohol desinfiziert.

    Wir nennen das Weinsteril: Sämtliche Keime (Hefen, säureabbauende Bakterien) die dem Wein schaden können, müssen durch den Sterilfilter entfernt werden und eine nachfolgende Wiederverkeimung in der Füllanlage wird verhindert.